Wildschweine im Wohngebiet

14. Dezember 2017 | Von | Kategorie: Neues aus der Gemeinde

Mark Tollas / pixelio.de

Ob morgens zu Schulbeginn, nachmittags beim Spaziergang oder abends auf der Gassirunde, Begegnungen mit Wildschweinrotten sind auf Dallgower Straßen keine Seltenheit. Immer häufiger beschweren sich verängstigte Einwohnerinnen und Einwohner beim Bürgermeister oder bei der Politik. Das Gerücht macht die Runde, weder Verwaltung noch Politik würden sich dafür interessieren.

Ralf Böttcher, Vorsitzender der Gemeindevertretung, nahm das Thema kurzerhand auf die Tagesordnung der Sitzung im Dezember und lud den Jäger ein. Zu Beginn der Beratung stellte er klar, warum die Gerüchteküche mal wieder nicht zutreffen ist. Seit nun mehr als einem Jahr liegt die vom Ordnungsamt beantragte Ausnahmegenehmigung zur Jagd im befriedeten Gebiet vor und wird von der unteren Jagdbehörde fortlaufend verlängert. Der ehrenamtliche Jagdpächter darf also auch im Wohngebiet Wild zur Strecke bringen. Jede Sichtung die dem Ordnungsamt oder Böttcher selbst bekannt wird, ist regelmäßig sofort an den Jagdpächter weitergeleitet worden.

Der Jäger Gerisch berichtete der Gemeindevertretung, dass er in diesem Jahr schon 102 Stück Schwarzwild, davon 5 Stück im Wohngebiet, zur Strecke gebracht hat. Er geht davon aus, dass dennoch etwa 40 Sauen in Dallgow unterwegs sind. Sein größtes Problem stellt die Möglichkeit einer sicheren Schussabgabe dar. Er darf nur dann einen Schuss abgeben, wenn sichergestellt ist, dass keine Unbeteiligten dabei zu Schaden kommen. Das ist niemals der Fall, wenn im Hintergrund Wohnhäuser oder Straßen sind. Herr Gerisch schilderte sehr plastisch, wie ein Querschläger oder auch ein Treffer auf Knochen eine tödliche Gefahr sind. Es gibt wenige Stellen im Gemeindegebiet, die für eine Schussabgabe geeignet sind.

Der Vorsitzende der Gemeindevertretung ergänzte hier, dass er inzwischen eine Möglichkeit mit einem privaten Grundstücksbesitzer vereinbart hat. Weitere Möglichkeiten im öffentlichen Raum befinden sich in der Prüfung. Wann und wo eine Jagd stattfinden wird, wollte Böttcher jedoch nicht verraten. „Dann haben wir erfahrungsgemäß die Antijäger und die Gaffer am Ort und eine erfolgreiche Jagd wäre wieder nicht möglich“.

Der Jäger Gerisch appellierte an Hundehalter und Reiter, möglichst auf den Ausritt oder den Spaziergang im abendlichen Dunkel auf Felder, Wiesen und in Grünanlagen zu verzichten. Dadurch würden die Wildschweine zum Einen gestört und er könnte wegen der geschilderten Gefahr nicht seines Amtes walten. Er schilderte aber auch, welche Anziehungskraft die Gartenabfälle haben, die insbesondere am Schwanengraben von den Anliegern einfach über den Zaun gekippt werden. In den Laubbergen findet das Schwarzwild immer Nahrung und wird diese Futterstellen auch regelmäßig aufsuchen. Eine Drück- oder Treibjagd schloss Gerisch aus. Die Tiere würden schließlich völlig unkontrolliert auf die Dallgow umgebenden Verkehrswege wie z.B. die B5 oder die Bahnlinie getrieben werden aber auch die Treiber und die Hundemeute wäre besonders gefährdet. Er wollte sich die Folgen gar nicht ausmalen.

Der Vorsitzende der Gemeindevertretung stellte in Aussicht, dass bei dem anstehenden Treffen der Jagdgenossenschaft beabsichtigt ist, künftig drei ehrenamtliche Jäger für Dallgow zu gewinnen.  Weiterhin trifft der Landkreis als zuständige Ordnungsbehörde vorbereitende Maßnahmen für den Fall des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest. Es werden Fallen für Wildschweine angeschafft und eine Sammelstelle für verendete oder zur Strecke gebrachte Tiere wird am Feuerwehrtechnischen Zentrum eingerichtet.  Weitere vorgeschlagene Hilfen für die Jäger, wie beispielsweise Aufwandsentschädigungen oder Erlass von Untersuchungskosten für die Trichinenproben wurden in heutiger Sitzung vom Landtag abgelehnt. Für die Landesregierung ist die begründete Befürchtung vor dem Ausbruch der Pest nur Panikmache und das, obwohl diese bereits bis nach Warschau vorgedrungen ist. Im Falle eines Ausbruchs müssen sämtliche Schweine, also auch Hausschweine, in einem Umkreis von 15 km gekeult werden. Die zu zahlenden Entschädigungen an Schweinezüchter wären wohl ungleich höher, als Aufwandsentschädigungen für die Jägerschaft.

Abschließend korrigierte Jäger Gerisch noch die Auffassung, die Wildschweine in Dallgow kämen aus der Döberitzer Heide. Das stimme nicht, die Tiere überqueren die B5 eher nicht. Böttcher ergänzte, einem Bericht der MAZ vom Juni sei zu entnehmen, dass zwischen Oktober 2016 und Juni 2017 in der Döberitzer Heide 500 Tiere entnommen wurden. Die Jagd wird auch dort und auch in der Kernzone fortgesetzt.

Böttcher abschließend: Die Verwaltung wird auch weiterhin immer dann unterstützend tätig, wenn es geboten ist. Der Fachausschuss soll sich des Themas annehmen und der Gemeindevertretung  regelmäßig berichten.

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