Grundschule muss zukunftsfähig werden

1. März 2018 | Von | Kategorie: Neues aus der Gemeinde

In der Vergangenheit musste sich die Gemeinde Dallgow immer wieder mit einer Erweiterung von Kita-, Hort- und Schulkapazitäten beschäftigen. In der Regel waren stets schnelle Einzellösungen zu suchen, um die größte Raumnot zu kompensieren. Wer sich schon immer mit diesem Thema beschäftigt hat, weiß auch, dass in der Vergangenheit vom Land Brandenburg stets behauptet wurde, die Bevölkerungszahlen und damit verbunden auch die Kinderzahlen werden rückläufig sein. Auch der Landkreis hatte sich viele Jahre auf die Zahlen der Landesregierung gestützt. In Dallgow war die Realität immer wieder eine andere; doch eigene Prognosen gab es nicht.

Die Gemeindevertretung hatte schon Anfang 2016 eine verlässliche Prognose zur Entwicklung der Kinderzahlen eingefordert. Die vorgelegten Zahlenwerke waren regelmäßig unvollständig oder nicht nachvollziehbar. Erst als Sven Richter eine eigene Erhebung durchgeführt hatte, war eine Entwicklung erkennbar, nämlich weiterhin ansteigend. Inzwischen benutzt die Gemeinde eine eigene Software zur Prognose der Bevölkerungsentwicklung. Auch diese bestätigt, die Kinderzahlen werden in Dallgow nicht signifikant sinken. Und da war das Dilemma: Die Hortkapazitäten waren nicht und werden nicht ausreichend sein.

Eine Erweiterung des Hortes Koboldland wurde geplant. Damit einher ging die Prüfung, ob am Standort in der Steinschneiderstraße die Kapazitäten für eine sechszügige Schule ausreichen. Wie zu erwarten war die Antwort eindeutig. Ohne die Baracke, freundlich oft Flachbau genannt, funktioniert auch Schule nicht dauerhaft an diesem Ort. Vehement setzte sich neben anderen die CDU für einen zukunftsfähigen Neubau ein. Oberstes Ziel: für 18 Klassen und die entsprechende Anzahl Hortkinder soll Raum geschaffen werden, ohne die Klassenräume gleichzeitig als Horträume nutzen zu müssen. Die Devise hieß, raus aus der Ausnahmegenehmigung, deren Ende bereits vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport angedroht war.

Beim Bauamt waren die Erfordernisse leider nicht gleich richtig verstanden worden. So wurde eine Planung vorgelegt, die beim Nachrechnen weiterhin einen erheblichen Fehlbedarf offenbarte. Erst nach massivem politischen Druck wurde nachgebessert. Das geplante Bauvolumen fiel nun deutlich größer aus; die erwarteten Baukosten erhöhten sich von 3,7 auf rund 5 Mio. Und dann gab es im Januar 2017 die späte und böse Überraschung. Die Planungskosten lagen mit ca. 290.000 Euro in einer Region, die eine europaweite Ausschreibung erforderlich machte. Das bedeutete mindestens 6-8 Monate Verzögerung. Der Ausschreibungssieger, GSAI – Galandi Schirmer Architekten und Ingenieure, unterschrieb einen Vertrag. Ende 2017 lag ein Vorentwurf auf dem Tisch. Zähneknirschend wurde den Kosten zugestimmt, die Kämmerin sollte im Haushaltsplan 6 Mio. vorsehen. Im Dezember versprach GSAI, Anfang, spätestens Mitte Januar eine Entwurfsplanung vorlegen zu können. Wegen der zeitlichen Dringlichkeit bestand in der Gemeindevertretung Einigkeit, entsprechend für die Auftragserteilung auch eine Sondersitzung durchzuführen, um keine Zeit zu verlieren. Auf Nachfrage Anfang Januar hieß es dann vom Bauamt, man sei noch nicht soweit. Die Zeit verstrich weiter ungenutzt. Erst zur Sitzung Ende Januar lag nunmehr eine noch immer nicht abschließende Entwurfsplanung vor. Es fehlte noch immer das Planungsgespräch mit dem Hort. Und dann kam der Hammer! GSAI teilte mit, Baubeginn solle wegen des bevorstehenden Winters nicht im Herbst 2018, sondern erst im März 2019 sein. Die Fertigstellung August 2019 sei nicht realisierbar. Vielmehr wurde nun April 2020 ins Auge gefasst. Trotz, wie ich meine, massiver Kritik und der nachdrücklichen Forderung seitens aller Fraktionen in der Gemeindevertretung bot GSAI auch keinerlei Ansatz zur Problemlösung. Das bedeutet für unsere Schülerinnen und Schüler, nicht ein Schuljahr in voller Doppelnutzung sondern mindestens weitere 7 Monate. Und verläuft der Winter 2018/19 wie der derzeitige, wird wohl ein Baustart im März 2019 ein Wunschtraum bleiben. Frust, Ungläubigkeit aber auch, und das darf an dieser Stelle auch zugegeben werden, Ratlosigkeit. Viele stellten sich schon in der Sitzung aber auch in den folgenden Tagen die Frage, ob das Vertrauensverhältnis zu diesen Architekten überhaupt noch Bestand haben konnte. Die Gemeindevertretung sah dennoch keine andere Möglichkeit, als die Weiterbeauftragung zu beschließen. Der Neubau wird schließlich dringend benötigt.

Aber nochmal ein Stück zurück. Schule und Hort werden den Standort in der Bauphase noch intensiver doppelt nutzen müssen als es ohnehin schon der Fall ist. Die 5 Klassenräume im sogenannten Flachbau fallen schließlich weg. Das ergibt eine räumlich extrem beengte Situation. Die Elternvertretung forderte frühzeitig, die Bauzeit mit einer Containerlösung zu überbrücken. Sowohl Schulleiter Frost wie auch Hortleiterin Marquardt erklärten, wenn die Bauzeit auf ein Schuljahr begrenzt ist, werden sie alles dafür tun, die Situation auch ohne Container so erträglich wie möglich zu gestalten. Die meisten Beteiligten bevorzugten, die Kosten für eine Interimslösung besser in die Schule zu investieren.

Zwei Jahre volle Doppelnutzung ist der CDU aber eindeutig zu viel. Sie unterstützt die Forderung der Eltern, eine Zwischenlösung zu finden. Der Vorsitzende der Gemeindevertretung lud kurzerhand die Mitglieder der Gemeindevertretung, den Bürgermeister und die Amtsleiter sowie Schulleitung, Hortleitung und die Elternvertreter ein.  In einer Arbeitsberatung war schnell erkennbar, dass wir nicht allein mit unserer Ansicht waren. Eine Bauzeit von zwei Jahren stellt Schule und Hort vor unermessliche Probleme. Das wiederum rief die Verwaltung auf den Plan. Die Mitarbeiterin des Bauamtes, Frau Saygin, selbst Architektin, stellte eine umfangreiche Raumanalyse unter Betrachtung beider Standorte vor. Daraus ergab sich, dass am Standort Weißdornallee, der als dreizügige Schule gebaut wurde und um Hortkapazitäten erweitert worden war, momentan nicht 18, sondern lediglich 14 Klassen bzw. ab Schuljahr 18/19 15 Klassen unterrichtet werden. Es gäbe demnach 3 ungenutzte Klassenräume. Ihr beispielhafter Vorschlag, drei 3. Klassen ab dem nächsten Schuljahr in der Weißdornallee zu unterrichten. Weitere drei 3. Klassen können im Gebäude am Kreisverkehr beschult werden. Die 2. Klassen gingen demnach in von der Baustelle abgewandten Seite des Gebäudes in der Steinschneiderstraße zur Schule und die 1. Klassen im 1.OG des Hortgebäudes. Das EG des Hortgebäudes bliebe in reiner Hortnutzung. Um in der Weißdornallee zusätzliche Raumkapazitäten zu ermöglichen, schlug sie eine Verlagerung des Sekretariats und des Büros des Schulleiters sowie seiner Stellvertreterin in einen noch zu realisierenden Anbau am Eingangsfoyer vor. Der als Heizungsraum und Lager genutzte eingeschossige Anbau an der Westseite könnte mit wenig Aufwand aufgestockt werden. So ließen sich mindestens vier zusätzliche großzügige Horträume schaffen.

Eine Vielzahl der Mitglieder der Gemeindevertretung war von diesem Modell für die Bauzeit nicht abgeneigt, jedenfalls sei diese Lösung besser, als Container aufzubauen. Der Schulleiter schloss diese Variante sofort und kategorisch aus, obwohl er bisher stets erklärte, am Standort Weißdornallee mit einer Sechszügigkeit, also 18 Klassen, räumlich keinerlei Probleme zu haben. Wie er dann mit 18 Klassen ein Problem haben kann, konnte oder wollte er nicht darlegen. An der Stelle ist auch nochmals zu betonen, dass die Aufteilung der 3. Klassen nur ein Beispiel war. Dem Schulleiter bliebe auch die organisatorische Freiheit, im nächsten Schuljahr beispielsweise drei 1. Klassen in der Weißdornallee einzuschulen.

Ein weiteres Thema ist die Teilung der brandenburgweit größten Grundschule. Bisher negierte der Schulleiter diese Möglichkeit mit dem Hinweis, dann ginge die verlässliche Halbtagsschule verloren, Fördermittel müssten zurück gezahlt werden. Es wäre für beide Schulen ein neues Antragsverfahren erforderlich. Dem widersprach der stellvertretende Bürgermeister Kristke nun energisch. Nach Auskunft des MBJS ist diese Behauptung haltlos. Weiterhin äußerte auch das Schulamt seine Verwunderung, warum in Dallgow weiterhin an der strikten Teilung in die Klassenstufen 1 bis 3 und 4 bis 6 festgehalten würde. Schließlich könnten auch schon jetzt beide Schulstandorte mit den Klassenstufen 1 bis 6 betrieben werden. Das würde unter dem Aspekt des gemeinsamen Lernens sogar bevorzugt. Damit würde die Verteilung der Hortkinder auf beide Standorte eine wesentlich gleichmäßigere Nutzung bedeuten.

Perspektivisch müssen also beide Standorte baulich für die Nutzung in den Klassenstufen 1 bis 6 und gegebenenfalls auch als separate und wie von Bund und Land favorisierte Ganztagsschule vorbereitet werden.

Ralf Böttcher, Vorsitzender der örtlichen CDU zieht folgendes Fazit: „Auch wenn wir dem Grunde nach zu spät feststellen, auf dem falschen Weg zu sein, ist es richtig, sich die 6 Wochen Zeit zu nehmen, nochmals gründlich nachzudenken. Bei einer geplanten Bauzeitverzögerung von mindestens 7 Monaten oder wohl eher einem ganzen Schuljahr, kommt es darauf nun wirklich nicht mehr an. Wir müssen nur jetzt endgültig den richtigen Weg einschlagen. Der Bürgermeister hat das Thema nun an sich gezogen und macht ordentlich Druck, die erforderlichen Gespräche mit Ministerium, Schulamt und Architekten zügig abzuarbeiten. Ich begrüße es ausdrücklich, dass nicht wieder Flickschusterei wie in der Vergangenheit betrieben werden soll. Mein besonderer Dank gilt vor allem aber einer sehr konstruktiven Gemeindevertretung.“

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